Es riecht nach süßem, warmen Gebäck, als ich das Geschäft einer amerikanische Kaffeekette im Herzen Kölns betrete und mir den Schnee von den Schuhen klopfe. Bevor die wohlige Wärme meine Brille beschlagen lässt, kann ich noch die jungen Pärchen sehen, die sich auf den Sofas drängen, auf denen ihre dicken Jacken, Mützen und Schals den meisten Platz einnehmen. Doch auch durch die beschlagene Brille sehe ich ein Angebot, dass mich sofort zuschlagen lässt: Ein Korb mit 250g-Packungen Kaffee, über dem eine Tafel satte „50%“ verspricht!
Da nehme ich doch glatt mal zwei Stück, dann noch eine andere, nicht reduzierte Sorte – ich liebe Kaffee – und ab zur Kasse. Die freundliche aussehende Bedienung ist jung, dynamisch und gibt mir mit einem Lächeln das Gefühl, willkommen zu sein. Dann sagt sie in ganz normalem Tonfall etwas, was mich zuerst erstarren lässt. Und dann lässt es mich einen Satz sagen, den ich so (glaube ich) noch nie zu einer Verkäuferin gesagt habe: „Soll das ein Witz sein?!?“
Sie sagte mir: „Diesen Kaffee kann ich Ihnen nur zum Normalpreis anbieten, da an der Kasse die 50%-Taste kaputt ist.“
So viel Service-Wüste habe ich schon lange nicht mehr erlebt – und schon gar nicht bei modernen, hochpreisigen US-Kaffeekonzernen. Die Leute hinter mir amüsieren sich, als ich auf Nachfrage nochmals die gleiche Antwort bekomme: Ich muss voll zahlen, da die 50%-Taste an der Kasse kaputt ist.
Aber dann schaltet sich mein Impro-Hirn ein: Wenn man geblockt wird, muss man eben etwas neues anbieten. So sage ich: „Wenn ich die zwei Packungen kaufe und du nur eine eintippst, geht es dann?“ Darauf lässt sie sich ein, perfekt, doch dann kommt die nächste Hürde: Die Kaffeesorte ist ein Auslaufmodell und bereits aus dem Kassencomputer verschwunden. Die gute Frau kann sie mir folglich überhaupt nicht mehr verkaufen! Das Verfallsdatum ist zwar erst in einigen Monaten, doch der Kaffee sei nicht mehr „in der Kasse“ – sofort weist die gute Frau einen Helfer an, den Korb mit dem 50%-Angebot aus dem Verkaufsraum zu entfernen.
Ich darf also nur die dritte Packung Kaffee bezahlen, dessen Existenz die Kasse nicht leugnet. Doch die Verkäuferin packt mir die beiden anderen Packungen einfach dazu. Geschenkt. Na bitte! Ich bedanke mich und freue mich über drei Packungen Kaffee zum Preis von einer.
In etwas mehr als einer Minute hat der Kaffee eine Preissteigerung um 100% erfahren, um dann sofort im Wert auf Null zu sinken. Wegen einer unflexiblen Kasse. Ich habe gelesen, diese Kaffeekette stecke auch in der Wirtschaftskrise, weil sie u.a. zu sehr expandiert habe. Vielleicht sollte man den Verkäufern einfach eine flexiblere Kassensoftware – und damit mehr Raum zum wirtschaftlichen Improvisieren – an die Hand geben?