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Engel

20. Juni 2010 von Ben

Impro Cup in Niedersachsen. Wir spielen das erste Halbfinale in einem Zirkuszelt. Die Stimmung unter den Schauspielern und im Publikum ist gut, als sich die Zeltplane noch einmal teilt.

Auftritt einer Gruppe von 8-10 Jugendlichen. Alles Jungs, alle laut. Sie lachen den Moderator aus, bepöbeln die Spieler und holen sich verbal einen runter.

Die Stimmung kippt. Unser Spiel wird schlechter. Etwa 1/3 des Publikums verlässt das Zelt. Ein Techniker geht zu den Jungs und bittet sie Zuschauer zu sein. Er wird ignoriert. Als ihnen später langweilig wird, ziehen sie ab – mitten durch die verbliebenen Zuschauerreihen. Niemand sagt etwas, keiner lacht. Das Bild macht mich traurig.

Ich blicke in das Gesicht einer korpulenten Frau mit großer Brille und Ringelhaaren. Sie schafft etwas, was alle anderen gerade nicht können. Sie schaut mich an und lächelt.

Lam(m)penfieber

13. April 2010 von Ben

Im Moment habe ich das Gefühl, dass das Blut in meinem Kopf schneller zirkuliert als isländische Lavaströme. Wir sind viel unterwegs in diesen Monaten. Nicht in Mailand, New York und Paris, aber immerhin in Essen, Düsseldorf, Hannover und am letzten Wochenende auch in Hamburg.

Ah, Hamburg, die Perle des Nordens, Stadt der kantigen Sprachmelodie und der Fassadenromantik. Stadtgespräch hat uns eingeladen und Stadtgespräch hat uns bekommen. Trotz der Impro-Open in der Hansestadt, war der Kuppelsaal des Bürgertreffs Altona-Nord rappelvoll. Die Stimmung war am kochen, als wir angetrieben durch Jörgs Wellengang einlaufen durften.  Es wurde ein schöner Abend, voller Herausforderungen und einem kuscheligen Lamm als Preis.

Viele Dinge habe ich mit Jens und Tanja zum ersten Mal gemacht. Wir haben eine Alten-WG bewohnt, haben auf Kölsch gekocht und ganz klassisch die Weltherrschaft an uns gerissen. Wiebke, Laura und Christian von Stadtgespräch wechselten in ihren Szenen Perspektiven und Rollen, verliebten sich ein bisschen in den Papst und gingen dann mit uns in einen Tempel, um sich selbst zu finden. Zum Schluss durften wir das Lamm mit nach Köln nehmen. Hier liegt es jetzt auf meinem Bett und macht mir das Schäfchen zählen leichter als je zuvor.

Noch drei Mal schlafen, dann kommen die Improkokken zu uns. Doch vorher wird noch einmal geträumt. Ein bisschen von der Weltherrschaft und sicher ganz viel von Hamburg. Danke, Stadtgespräch.

Impro ist mehr als Comedy

28. Februar 2010 von Axel

Bei den Feedback-Bögen, die wir von den Zuschauern nach der Show erhalten, freuen wir uns natürlich über Lob. Und auch über Kritik – schließlich haben die Zuschauer Geld gezahlt und wollen unterhalten werden. Wenn wir etwas schlecht machen, versuchen wir, uns zu bessern. Wer auf den Bögen noch keine Kritik geübt hat, kann dies gerne jetzt in den Kommentaren tun.

Aus manchem Feedback lese ich allerdings ein meiner Meinung nach falsches Verständnis unserer Kunstform heraus. Da war von „zu langen Szenen“ die Rede, manchem sind die Szenen nicht lustig genug.

Kritisiere ich nach einem Konzert, dass es auch langsame Stücke gab? Oder erwarte ich von einer Ausstellung, dass mich jedes Bild begeistert? Kurze Comedy-Szenen sind ein wichtiger Teil des Impro-Theaters, aber nicht alles. Bei den 15-20-minütigen Langform-Sequenzen, die wir oft in unsere Shows einbauen, geht es um mehr als Humor: Um Charaktere, um Konflikte, um Emotionen. Außerdem sind unsere Shows improvisiert: Wir wissen nie, ob eine Szene zum Ablachen komisch, oder vielleicht traurig wird. Allein deshalb können – und wollen – wir keine reinen Comedy-Shows präsentieren. Sondern die Vielfalt aufzeigen, die uns das Improvisationstheater bietet.

Mann sein

20. November 2009 von Ben

Heute Morgen habe ich mir eine Tasse Tee gemacht und die Zeit aufgeschlagen. Im Magazin der Zeitung laß ich einen Artikel über den Personal Trainer von Caroline Beil. Das einzige was von der einstigen männlichen Dominanz über die Frau übrig geblieben wäre, sei Muskelkraft, hieß es darin. Doch diese werde nun ebenfalls regelmäßig aufgekauft, von Frauen. Als Carline Beil damit angab, sich den Trainer mit Heidi Klum zu teilen, stellte ich mir vor ich sei dieser Fitnesscoach. Zu meinem Entsetzen gefiel mir was ich vor meinem geistigen Auge sah.

Ich ging zur Arbeit, doch den ganzen Tag ließen mich meine Gedanken nicht los. Sie malmten in meinem Kopf, versuchten mir einzureden ich könne wirklich nichts besser als eine Frau. Als ich meine Arbeitsgruppe bei einem morgendlichen Vortrag begrüßte, sah ich sie mit anderen Augen.

Meine Arbeitsgruppe besteht aus sieben Frauen und mir. Jede von ihnen mit Intelligenz, Geschicklichkeit, Agilität und Willensstärke gesegnet. Als mich eine von ihnen später am Tag bat, ihr einen Karton aus einem oberen Regalfach zu reichen, dachte ich: »Herr im Himmel, es ist wahr! Wenn nicht bald etwas passiert verliert das Y-Chromosom jegliche Daseinsberechtigung.« Ich aß zur Beruhigung ein Mars. Der römische Kriegsgott in Kalorienbombenform brachte mich wieder nach vorne.

Ja, es gibt ja das Match am Wochenende. Männer gegen Frauen. Eine Möglichkeit es ihnen zu zeigen. Ein Licht am Ende der Gebärmutter. Um 20 Uhr am Samstag wird einiges wieder gerade gerückt. Wir werden einfach besser improvisieren, alles geben, den Titel holen, Gewinner sein – und dann? Vielleicht werden wir ja gemietet? Ich habe gehört, dass Heidi Klum dringend Schauspielunterricht braucht.

Letzte Impro-Chance vor der Sommerpause!

9. Juni 2009 von Axel

Am Samstag, 13.6. 2009 gibt es die Taubenhaucher wieder im Bürgerhaus Kalk zu sehen. Die Impro-Show um 20 Uhr wird die letzte vor der Sommerpause. Doch keine Panik, wir machen ab September weiter mit Improvisationstheater und arbeiten an neuen Formaten!

Am Samstag gibt es nochmals “traditionelles” Spontantheater. Erstmals dabei sein wird unser Neuzugang Tanja – wir sind gespannt! Und sie ist nicht die einzige – unser zweiter Neuzugang Ben konnte bereits in den letzten paar Auftritten bergeweise Applaus abholen. Die beiden sind so neu, dass man sie noch gar nicht auf unserer Website findet.

An der Gitarre sitzt dagegen schon ein “alter” Bekannter – Wolfgang Schütz macht aus einer Gitarre wieder ein ganzes Orchester und untermalt jede Szene optimal mit dem dazugehörigen Soundtrack.

12 Meter Hase verschenkt Tee & Kohl

8. Juni 2009 von Axel

Wir waren zu Gast bei der Improgruppe 12 Meter Hase in Oldenburg – vor vollem Haus spielten wir ein grandioses Match! Bei der Oper verlor ich fast meine Stimme, da ich meine getötete Katze lauthals beweinte. Die “A spricht B spricht C”-Synchro, wobei man einen Charakter spielt, aber einen anderen Charakter spricht, hat dank intensivem Proben im Vorfeld super geklappt. Zwar unterlagen die “Tauben” am Ende den “Hasen”, doch um es mit der schönsten Vorgabe des Abends zu sagen: “Da beißt die Maus keinen Faden ab”.

Als Erinnerung gabe es einen “Pokal”, bestehend aus einer Packung Schwarztee und einem Kohlkopf in Form einer Taube. Schwer vorstellbar, aber man konnte es erkennen!

Der französische Problemfilm „Non!“

11. Mai 2009 von Axel

Unter diesem Motto stand die improvisierte DVD-Show, welche die Taubenhaucher am 9.5. 2009 in Kalk auf die Bühne brachten. Die problematische Leidensgeschichte von Babette, Lousie und Bruno erlebten die Zuschauer in allen Facetten – als Making of, im Interview, geschnittenen Szenen, Stunt-Doku, mit Untertiteln und vielem mehr!

Das ganze kongenial begleitet am Keybord, Geige, Mini-Flügel, Melodica und endlos vielen anderen Instrumenten von “Henry Chambre” Henning Brand. Mit seinen Sounds wurde der Abend zu etwas ganz Besonderem. Wann die Taubenhaucher wieder mal eine DVD präsentieren werden, erfahrt ihr an dieser Stelle!

Ersetze “aber” durch “und”

7. Mai 2009 von Axel

Autor Jurgen Wolff beschreibt hier in seinem Blog, dass er eine Impro-Show sah, die er als “brave but not having an especially good night” beschreibt – es wurde wohl viel “geblockt” an dem Abend – also zu viel “aber” gesagt und zu wenig “und”. Dennoch hat er daraus etwas mitgenommen.

Oft kann man “aber” ganz ohne Sinnverlust mit “und” ersetzen – es klingt viel positiver. Das ist aber schwer umzusetzen, denn beim Sprechen gibt es leider keine “Suchen und Ersetzen”-Funktion. Aber: Scheitern ist gesund! Daher stürzen sich die Taubenhaucher am Samstag in eine ganz neue Form, die sie so noch nie auf die Bühne gebracht haben. Bei der “DVD-Show” improvisieren wir eine Film-DVD mit Filmszenen, Trailern, Interviews etc. Aber man muss sieben Euro Eintritt zahlen. Und das gibt es für nur sieben Euro Eintritt – weniger als für eine neue DVD!!!

Also bis Samstag, 9.5., 20 Uhr im Bürgerhaus Kalk!

Taubenhaucher mit Cellolitis in der 5. Dimension

26. April 2009 von Axel

Die letzten beiden Samstage haben die Taubenhaucher gegen „Die fünfte Dimension“ aus Hannover gematcht. Beide Abende waren fantastisch, das beiden Publikums waren klasse und voll dabei, und beide male ging es super knapp aus – 2:0 für Köln aaaaaaaber das ist vollkommen egal. Denn der Spaß zählt – und die Taubenhaucher haben neue Freunde gewonnen.

Wo uns in Köln immer Wolfgang an der E-Gitarre begleitet, saß in Hannover Cellolitis, alias Niko, am Cello. Der Mann zauberte zu jeder Szene eine wundervolle Begleitung und rockte bei den Musikstücken. Das Video auf seiner Seite zeigt, was er drauf hat.

Kaffeepreis steigt um 100% und fällt dann sofort auf Null

6. Januar 2009 von Axel

Es riecht nach süßem, warmen Gebäck, als ich das Geschäft einer amerikanische Kaffeekette im Herzen Kölns betrete und mir den Schnee von den Schuhen klopfe. Bevor die wohlige Wärme meine Brille beschlagen lässt, kann ich noch die jungen Pärchen sehen, die sich auf den Sofas drängen, auf denen ihre dicken Jacken, Mützen und Schals den meisten Platz einnehmen. Doch auch durch die beschlagene Brille sehe ich ein Angebot, dass mich sofort zuschlagen lässt: Ein Korb mit 250g-Packungen Kaffee, über dem eine Tafel satte „50%“ verspricht!

Da nehme ich doch glatt mal zwei Stück, dann noch eine andere, nicht reduzierte Sorte – ich liebe Kaffee – und ab zur Kasse. Die freundliche aussehende Bedienung ist jung, dynamisch und gibt mir mit einem Lächeln das Gefühl, willkommen zu sein. Dann sagt sie in ganz normalem Tonfall etwas, was mich zuerst erstarren lässt. Und dann lässt es mich einen Satz sagen, den ich so (glaube ich) noch nie zu einer Verkäuferin gesagt habe: „Soll das ein Witz sein?!?“

Sie sagte mir: „Diesen Kaffee kann ich Ihnen nur zum Normalpreis anbieten, da an der Kasse die 50%-Taste kaputt ist.“

So viel Service-Wüste habe ich schon lange nicht mehr erlebt – und schon gar nicht bei modernen, hochpreisigen US-Kaffeekonzernen. Die Leute hinter mir amüsieren sich, als ich auf Nachfrage nochmals die gleiche Antwort bekomme: Ich muss voll zahlen, da die 50%-Taste an der Kasse kaputt ist.

Aber dann schaltet sich mein Impro-Hirn ein: Wenn man geblockt wird, muss man eben etwas neues anbieten. So sage ich: „Wenn ich die zwei Packungen kaufe und du nur eine eintippst, geht es dann?“ Darauf lässt sie sich ein, perfekt, doch dann kommt die nächste Hürde: Die Kaffeesorte ist ein Auslaufmodell und bereits aus dem Kassencomputer verschwunden. Die gute Frau kann sie mir folglich überhaupt nicht mehr verkaufen! Das Verfallsdatum ist zwar erst in einigen Monaten, doch der Kaffee sei nicht mehr „in der Kasse“ – sofort weist die gute Frau einen Helfer an, den Korb mit dem 50%-Angebot aus dem Verkaufsraum zu entfernen.

Ich darf also nur die dritte Packung Kaffee bezahlen, dessen Existenz die Kasse nicht leugnet. Doch die Verkäuferin packt mir die beiden anderen Packungen einfach dazu. Geschenkt. Na bitte! Ich bedanke mich und freue mich über drei Packungen Kaffee zum Preis von einer.

In etwas mehr als einer Minute hat der Kaffee eine Preissteigerung um 100% erfahren, um dann sofort im Wert auf Null zu sinken. Wegen einer unflexiblen Kasse. Ich habe gelesen, diese Kaffeekette stecke auch in der Wirtschaftskrise, weil sie u.a. zu sehr expandiert habe. Vielleicht sollte man den Verkäufern einfach eine flexiblere Kassensoftware – und damit mehr Raum zum wirtschaftlichen Improvisieren – an die Hand geben?